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Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel:
- Projektsteuerung im Bau führt Informationen aus den fünf AHO-Handlungsbereichen zu einem belastbaren Gesamtbild zusammen, in dem sich Abweichungen bereichsübergreifend früh erkennen lassen.
- Ein kontrollierter Basisplan schafft den stabilen Vergleichspunkt, während Korrekturmaßnahmen in den nächsten Steuerungszyklus einfließen und genehmigte Änderungen nachvollziehbar in den Basisplan übernommen werden.
- Der zentrale Nutzen wirksamer Projektsteuerung liegt in der Entscheidungszeit zwischen dem frühen Erkennen einer Abweichung und dem Eintreten ihrer Folgen.
- Liegen Termin- und Kostendaten in getrennten Systemen, kann ein Bauprojekt termingerecht wirken, obwohl das Budget gleichzeitig aus dem Ruder läuft, weil niemand beide Bilder gleichzeitig sieht.
- Der Nutzen von KI in der Projektsteuerung steigt, wenn die zugrunde liegenden Projektdaten vernetzt, aktuell und konsistent genug sind, um belastbare Analysen zu ermöglichen.
Ein freigegebener Plan gibt einem Bauprojekt seinen Bezugspunkt. Schon ab dem ersten Tag der Ausführung verändert sich das Bild davon, wo das Projekt tatsächlich steht. Projektsteuerung hält diese Position messbar, solange sich das Ergebnis noch beeinflussen lässt.
Was ist Projektsteuerung im Bau?
Projektsteuerung im Bau ist eine eigenständige Fachdisziplin des Projektmanagements, die ein Bauprojekt anhand des freigegebenen Basisplans in den Handlungsbereichen Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge überwacht und steuert. Sie führt diese Informationen zu einer Prognose des Projektergebnisses zusammen und leitet Korrekturmaßnahmen ein, bevor Abweichungen kostspielig werden.
Projektsteuerung im Projektmanagement: Wo die Abgrenzung verläuft
Im internationalen Verständnis bilden Project Controls die analytischen Prozesse innerhalb des Projektmanagements. Die APM beschreibt sie als Spezialisierung zentraler Projektmanagement-Kompetenzen.
Im deutschen Bauwesen deckt sich dieser Begriff nicht vollständig mit der Projektsteuerung. Das AHO-Leistungsbild der Projektsteuerung ist eigenständig definiert und deckt einen festen Aufgabenbereich ab. Das aktuelle AHO Heft 9 legt dafür fünf Handlungsbereiche zugrunde.
Das Projektmanagement umfasst die gesamte Projektabwicklung. Neben dieser analytischen Arbeit gehören dazu:
- das Projektteam und die ausführenden Beteiligten
- Ressourcen, Beschaffung und Baustellenlogistik
- Stakeholder und Erwartungen des Bauherrn
- Entscheidungen und die Verantwortung für ihre Folgen
Die Projektsteuerung liefert die Grundlage. Das Projektmanagement wägt diese Informationen gegen die übrigen Projektanforderungen ab und entscheidet über das weitere Vorgehen.
Die fünf Handlungsbereiche der Projektsteuerung im Bau
Die 6. Auflage des AHO Heft 9 aus 2025 verkürzte die bisherigen Bezeichnungen wie Qualitäten und Quantitäten oder Kosten und Finanzierung zu Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge. Dabei wurden auch die Grundleistungen angepasst: Qualitäten, Kosten und Termine enger gefasst, Organisation um Kommunikations- und Entscheidungsstruktur erweitert. Versicherungsfragen bleiben Teil des Bereichs Verträge.
Eine Terminabweichung kann innerhalb kurzer Zeit Kosten, organisatorische Abläufe und vertragliche Fristen beeinflussen. Oft geschieht das, bevor die Terminsteuerung die Abweichung vollständig abbildet. Ein belastbares Gesamtbild entsteht erst, wenn diese Auswirkungen über die verschiedenen Handlungsbereiche hinweg zusammengeführt werden.

A – Organisation
Die Projektorganisation legt fest, wie Informationen zwischen den Projektbeteiligten fließen, welche Zuständigkeiten und Freigaben bestehen und wie offene Punkte, Entscheidungen und Änderungen dokumentiert werden. Gerade an den Schnittstellen zwischen Planung, Bauleitung, Bauherr und ausführenden Unternehmen können sonst Informationslücken entstehen, durch die Abweichungen verspätet sichtbar werden.
Ein funktionierendes Berichtswesen im Bauprojekt unterstützt diese Struktur, indem es festlegt, welche Informationen wann, in welcher Form und an wen weitergegeben werden. Ein offener Punkt wird erst steuerbar, wenn Verantwortlichkeit, erforderliche Entscheidung und aktueller Status nachvollziehbar sind. Die Projektsteuerung strukturiert und koordiniert diesen Informationsfluss, bereitet Entscheidungsgrundlagen vor und gibt erkannte Risiken frühzeitig an die zuständige Stelle weiter. Die Entscheidung selbst bleibt bei der zuständigen Stelle.
B – Qualitäten
Qualitätssteuerung richtet den Blick darauf, ob die definierten Qualitätsziele und Projektanforderungen in Planung und Ausführung erreicht werden. Diese Anforderungen müssen früh festgelegt und über den Projektverlauf hinweg überprüfbar bleiben.
Eine übersehene Qualitätsabweichung wird häufig erst später als Mangel sichtbar und kann dann Folgen für Kosten und Termine haben. Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle in Bauprojekten schaffen dafür nachvollziehbare Prüf- und Dokumentationsprozesse. Die Projektsteuerung verfolgt, wo Qualitätsziele gefährdet sind und welche Auswirkungen daraus für den weiteren Projektverlauf entstehen. Die technische Prüfung der Bauausführung bleibt bei den jeweils zuständigen Fach- und Überwachungsfunktionen.
C – Kosten
Die Kostensteuerung vergleicht aktuelle Ausgaben und prognostizierte Kosten mit dem freigegebenen Budget und zeigt die erwartete Entwicklung der Gesamtkosten. Der Cost Performance Index (CPI) aus dem Earned Value Management misst die Kosteneffizienz als Verhältnis von Fertigstellungswert (Earned Value) zu Istkosten. Ein CPI unter 1,0 bedeutet, dass die erbrachte Leistung mehr gekostet hat als ihr budgetierter Wert.
Dieses frühe Signal schafft Handlungsspielraum, bevor sich die Kostenentwicklung verfestigt. Es trägt nur, wenn die zugrunde liegenden Kostendaten vollständig und aktuell bleiben und direkte wie indirekte Kosten laufend mit Budget und Cashflow abgeglichen werden. In die Kostenprognose fließen dabei auch erkennbare Risiken ein, etwa aus Nachträgen oder Materialpreisschwankungen.
D – Termine
Die Terminsteuerung vergleicht den aktuellen Baufortschritt mit dem Basisplan und prognostiziert die Auswirkungen auf den Fertigstellungstermin. Verzögert sich eine Aktivität, zählt vor allem, wie weit sich diese Verzögerung durch den übrigen Terminplan fortsetzt, ob verfügbarer Puffer sie auffängt oder der kritische Pfad selbst wandert. Wie viel Puffer noch bleibt, zeigt, wie viel Terminrisiko sich vor dem kritischen Pfad noch abfangen lässt.
Planstand und Baustellenrealität stimmen dabei nicht immer überein. Diese Lücke ist eine häufige Ursache für schleichende Terminabweichungen und kann verborgen bleiben, bis abhängige Arbeiten bereits vom Terminplan abweichen. Eine belastbare Terminsteuerung braucht deshalb aktuelle Fortschrittsdaten und einen Basisplan, gegen den sich Abweichungen konsistent messen lassen.
E – Verträge
Verträge und Versicherungen regeln, wie vertragliche Verpflichtungen, Änderungen und versicherungsbezogene Anforderungen im Projektverlauf nachvollziehbar gesteuert werden. Der einzelne Nachtrag ist dabei nur der sichtbarste Fall. Klare Leistungsbeschreibungen, Zuständigkeiten und Vergabeunterlagen schaffen dafür früh eine belastbare Grundlage.
Besonders sichtbar wird die Bedeutung der Vertragssteuerung bei Änderungen während der Ausführung. In einer US-weiten Studie von Dodge Construction Network und Clearstory aus dem Jahr 2026 gaben 97 % der befragten Fachunternehmer an, bei einem Teil der Änderungsaufträge bereits vor der formalen Genehmigung mit der Ausführung zu beginnen.
Wie sich diese Handlungsbereiche im Projektalltag tatsächlich entwickeln, zeigt eine kleine Gruppe wiederkehrender Kennzahlen und Steuerungssignale.
Kennzahlen in der Projektsteuerung
Kennzahlen in der Projektsteuerung, häufig auch als KPIs bezeichnet, verdichten ausgewählte Projektinformationen zu wiederkehrenden Messgrößen und Steuerungssignalen. Jede beantwortet eine klar abgegrenzte Frage, hat aber auch einen blinden Fleck, den man kennen sollte, bevor sie in einen Bericht einfließt.
Eine Kennzahl verdient Aufmerksamkeit, wenn ihre Veränderung eine vorab festgelegte Reaktion auslöst. Keine einzelne Kennzahl trägt das Gesamtbild allein. Gelesen werden sie gemeinsam, im wiederkehrenden Turnus, wofür der Steuerungszyklus sorgt.
Der Steuerungszyklus in der Projektsteuerung
Sobald der Basisplan freigegeben ist, läuft die Projektsteuerung als wiederkehrender Zyklus, in den alle fünf Handlungsbereiche einfließen. Jeder der folgenden Schritte wiederholt sich in festem Rhythmus über den gesamten Projektverlauf.
- Ist-Stand erfassen. Was sich seit dem letzten Zyklus tatsächlich verändert hat: Baufortschritt, Kostenstand und weitere relevante Informationen aus den fünf Handlungsbereichen.
- Mit dem Basisplan vergleichen. Wo weicht der aktuelle Projektstand vom freigegebenen Plan ab, und in welchem Umfang?
- Abweichung bewerten. Nimmt sie seit dem letzten Zyklus zu oder ab, und welche Projektziele sind dadurch als Nächstes gefährdet?
- Prognose aktualisieren. Was bedeutet der aktuelle Stand für Fertigstellungstermin und Gesamtkosten, wenn sich die Entwicklung fortsetzt?
- Entscheidung vorbereiten und Maßnahmen auslösen. Die Abweichung geht mit den Handlungsoptionen an die zuständige Stelle: korrigieren, eskalieren oder die neue Prognose akzeptieren.
- Ergebnis zurückführen. Korrekturmaßnahmen und genehmigte Änderungen fließen in den nächsten Zyklus ein. Verändert eine genehmigte Änderung den Basisplan, bleibt nachvollziehbar, welche freigegebene Version sie ersetzt hat.
Schritt sechs hält den Vergleich aktuell, ohne die Historie zu verlieren. Der nächste Zyklus prüft, was nach der Entscheidung tatsächlich eingetreten ist und wie sich der Projektstand gegenüber dem jeweils gültigen Basisplan entwickelt hat.
Was dieser Zyklus, Durchlauf für Durchlauf, hervorbringt, ist das Einzige, das sich in einem Bauprojekt später nicht mehr zurückholen lässt.
Warum Projektsteuerung im Bau wichtig ist
Genau das ist der entscheidende Punkt: die Zeit, die zwischen dem Erkennen einer Abweichung und dem Eintreten ihrer Folgen liegt. Eine Terminabweichung, die in Woche zwei erkannt wird, lässt sich noch durch eine angepasste Reihenfolge der Arbeiten auffangen. Bis Woche sechs hat dieselbe Abweichung bereits Gesamtkosten, Ressourceneinsatz und Fertigstellungstermin verändert. In der US-weiten Project Controls Study 2026 von CMiC und Dodge Construction Network gaben 41 % der befragten Auftragnehmer an, potenzielle Kostenüberschreitungen bei mindestens der Hälfte ihrer Projekte noch zu einem Zeitpunkt zu erkennen, an dem sie steuerbar sind.
Diese gewonnene Entscheidungszeit gehört zu den wichtigsten Vorteilen wirksamer Projektsteuerung. Sie hilft Projektverantwortlichen, die Projektziele zu schützen, und schafft drei konkrete Vorteile:
- Frühwarnung. Eine Kosten- oder Terminabweichung wird sichtbar, solange Korrekturmaßnahmen das Projektergebnis noch beeinflussen können, bevor sich Verzögerungen oder Mehrkosten im Plan festsetzen.
- Gemeinsamer Bezugspunkt. Kosten- und Termindaten, Qualitätsabweichungen, offene Punkte und vertragliche Änderungen werden zu einem konsistenten Gesamtbild zusammengeführt. Das gibt Projektteam, Bauherr und weiteren Beteiligten eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage.
- Belastbare Prognosen. Prognosen, die auf aktuellen, nachvollziehbar erfassten Projektdaten beruhen, geben Teams eine klarere Einschätzung der wahrscheinlichen Projektergebnisse und genug Vertrauen, um Ressourcen- und Steuerungsentscheidungen darauf zu stützen.
Diese Sichtbarkeit zur richtigen Zeit an die richtigen Beteiligten zu bringen ist die Aufgabe des Berichtswesens innerhalb der Projektsteuerung.
Die Rolle des Berichtswesens in der Projektsteuerung
Die Projektsteuerung erfasst und bewertet den Projektstand und bereitet Entscheidungsgrundlagen vor. Das Berichtswesen bringt diese Informationen in die passende Form und zu den richtigen Adressaten, etwa als wöchentliche Abweichungsübersicht für das Baustellenteam oder als monatliche Prognose für den Bauherrn.
So arbeiten beide zusammen:
Turnus, Format und Adressaten des Berichtswesens sind ein eigenes Thema.
Häufige Herausforderungen in der Projektsteuerung
Ein Projektsteuerungssystem kann auf dem Papier gut aufgestellt sein und in der Praxis trotzdem scheitern. Ein häufiger Grund dafür sind Datensilos. Terminstände liegen in einem Tool, Kostenstände in einem anderen, Fortschrittsfotos in einem dritten. So kann ein Projekt termingerecht wirken, während das Budget gleichzeitig aus dem Ruder läuft. Niemand sieht beide Bilder gleichzeitig, bis die Lücke zu groß wird, um sie noch zu schließen.

Diese Lücke ist messbar und größer, als viele Teams vermuten. In der Studie von Autodesk und FMI aus dem Jahr 2021 gaben 30 % der mehr als 3.900 befragten Baufachleute an, dass mehr als die Hälfte ihrer Projektdaten unzuverlässig ist und in den meisten Fällen zu schlechten Entscheidungen führt. An den Schnittstellen zwischen Baustelle, Bauleitung, kaufmännischen Funktionen und Projektsteuerung können Informationen verspätet eintreffen oder ihren Kontext verlieren. Verzögerte Daten verlieren ihren Wert, bevor jemand danach handelt.
Selbst wenn ein Prozess besteht, können unklare Zuständigkeiten das Projektsteuerungssystem schwächen. Ein Basisplan, der nie formell überprüft wird, ein Aktualisierungsturnus, den niemand einfordert, ein erkanntes Risiko, das niemand weiterverfolgt, ein Bericht, den niemand in eine Entscheidung überführen muss: jedes für sich wirkt wie eine kleine Lücke, aber niemand ist tatsächlich dafür verantwortlich, sie zu schließen. Zusammengenommen erklären sie, warum ein vollständig aufgebautes Projektsteuerungssystem die Abweichung trotzdem übersehen kann, die es eigentlich aufdecken sollte.
Das führt direkt zur nächsten Frage: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass ein Projektsteuerungssystem funktioniert?
Wer ist für die Projektsteuerung im Bau zuständig?
Projektsteuerung im Bau verteilt sich auf mehrere Rollen. Eine Projektsteuerungsleitung oder eine vergleichbare Funktion sorgt dafür, dass die Verantwortlichkeiten über alle fünf Handlungsbereiche hinweg aufeinander abgestimmt bleiben. Die Bezeichnungen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen.
Eine typische Aufgabenverteilung sieht so aus:
Risikomanagement bildet dabei keine eigene Rolle in dieser Tabelle, sondern fließt in mehrere der genannten Aufgaben ein, etwa in die Kostenprognose und die Terminsteuerung.
Jede Schnittstelle zwischen diesen Rollen braucht einen Verantwortlichen. Steuerungsinformationen sind nur dann von Wert, wenn jemand sie aktuell hält, jemand ihre Bedeutung prüft und jemand für die daraus folgende Maßnahme verantwortlich ist.
Ein Teil dieser Arbeit lässt sich heute automatisieren. Das verändert, worauf sich diese Rollen tatsächlich konzentrieren.
KI und Automatisierung in der Projektsteuerung
Automatisierung setzt im Steuerungszyklus zuerst bei Fortschrittsmeldungen, Kennzahlen und Berichten an: Sie werden importiert, neu berechnet und aktualisiert, ohne dass das noch von Hand geschieht. KI geht darüber hinaus und durchsucht größere Mengen an Projektdaten nach Mustern und Auffälligkeiten.
Die praktische Nutzung bleibt bislang hinter der Diskussion zurück. Diese Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung ist im Kern eine Frage des Veränderungsmanagements im Bau. In der bereits genannten US-weiten Studie von 2026 gaben nur 19 % der befragten Auftragnehmer an, KI eine hohe Priorität einzuräumen. Nur 6 % berichteten von einem vollständig vernetzten Projektsteuerungssystem.
Diese beiden Zahlen hängen zusammen. Der Nutzen von KI steigt, wenn die zugrunde liegenden Projektdaten vernetzt, aktuell und konsistent genug sind, um belastbare Analysen zu ermöglichen.
Was eine Lösung für die Projektsteuerung leisten sollte
KI und Automatisierung können Abläufe im Steuerungszyklus beschleunigen. Entscheidend bleibt jedoch, wie schnell verlässliche Projektdaten die zuständigen Personen erreichen. Bei der Bewertung einer Softwarelösung für die Projektsteuerung im Bau sind sieben Fragen besonders wichtig.
- Wie früh wird eine Abweichung sichtbar? Kennzahlen, Abweichungsgrenzen und Warnmeldungen erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie auf aktuellen Daten beruhen und ein Problem sichtbar machen, solange noch Handlungsspielraum besteht. Fragen Sie, was eine Warnung auslöst und welche Schritte vorher noch erforderlich sind.
- Woher stammt der aktuelle Baufortschritt? Informationen, die direkt von den Ausführenden erfasst werden, gelangen auf dem kürzesten Weg in den Plan. Jeder zusätzliche Bearbeitungs- oder Übertragungsschritt kann dazu führen, dass die Daten veraltet sind, bevor sie dort ankommen.
- Lässt sich der aktuelle Stand mit dem Basisplan vergleichen, ohne den Vergleich bei jedem Zyklus neu aufzubauen? Muss dieser Vergleich jedes Mal von Hand neu erstellt werden, lässt sich eine regelmäßige Aktualisierung auf Dauer nur schwer aufrechterhalten.
- Sind die Projektdaten systemübergreifend miteinander verbunden? Informationen aus den fünf Handlungsbereichen der Projektsteuerung, Risikodaten und Baustellendaten liegen meist in unterschiedlichen Systemen. Eine Projektsteuerungslösung sollte die relevanten Informationen zusammenführen, während die Fachanwendungen weiterhin das leisten, wofür sie gebaut wurden.
- Lässt sich nachvollziehen, was sich geändert hat und warum? Dass sich beispielsweise ein Termin verschoben hat, ist nur ein Teil der Information. Auch der Grund, die zugehörigen Nachweise und der vorherige Stand sollten durchgehend nachvollziehbar bleiben.
- Erreicht ein Steuerungssignal die zuständige Stelle? Eine Abweichung hat nur begrenzten Wert, solange niemand sie prüft und die Verantwortung für die nächsten Schritte übernimmt. Zuständigkeit und Korrekturmaßnahmen sollten von der Erkennung bis zum Abschluss nachvollziehbar bleiben.
- Reduziert Automatisierung den Bearbeitungsaufwand, ohne die Steuerung zu schwächen? Datenübertragungen, wiederkehrende Berechnungen und die Erstellung von Berichten eignen sich besonders für die Automatisierung. KI kann zusätzlich vernetzte Projektdaten nach auffälligen Mustern durchsuchen, sofern die zugrunde liegenden Informationen verlässlich sind.
Alle sieben Fragen laufen letztlich auf denselben Punkt hinaus: Verkürzt das System den Weg zu dieser Entscheidung? Vernetzte Software für die Bauleitung rechtfertigt ihren Platz, indem sie genau das leistet. Das ist der Maßstab, der auch nach der Produktdemo noch zählt.
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Der eigentliche Maßstab der Projektsteuerung
Mit jeder Woche, die ein Bauprojekt voranschreitet, nimmt der Handlungsspielraum ab. Projektsteuerung hält das Zeitfenster offen, in dem sich das Projektergebnis noch beeinflussen lässt.
Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das System konsequent aufrechtzuerhalten. Wird der Basisplan laufend gepflegt, bleibt der Erfolg dieser Arbeit meist unsichtbar: Wenn die Projektsteuerung funktioniert, wirkt das Projekt oft so, als sei nichts schiefgelaufen. Genau das macht es leicht, diese Arbeit zu vernachlässigen. Berichte treffen weiterhin pünktlich ein, lange nachdem sie das Projekt nicht mehr widerspiegeln. Die Lücke zeigt sich erst, wenn eine Prognose infrage gestellt wird und niemand mehr nachvollziehen kann, wie sie zustande kam.
Automatisierung beschleunigt den Informationsfluss. Ob man den Informationen vertrauen kann, entscheidet weiterhin ein Mensch.
Ein Projektsteuerungssystem ist so viel wert wie das, was es noch beeinflussen kann. Alles, was es erst danach berichtet, ist bereits Geschichte.
Häufige Fragen zur Projektsteuerung Bau
Was ist ein Basisplan in der Projektsteuerung?
Ein Basisplan in der Projektsteuerung ist der freigegebene Bezugspunkt, mit dem der aktuelle Projektstand verglichen wird. Er umfasst den freigegebenen Leistungsumfang, das Budget und den Basisterminplan. Genehmigte Änderungen können den Basisplan anpassen, wobei jede freigegebene Revision auf die zuvor gültige Version zurückgeführt werden muss. Ohne einen kontrollierten Basisplan fehlt ein stabiler Vergleichspunkt für Abweichungen.
Was sind die AHO-Projektstufen in der Projektsteuerung?
Die AHO-Projektstufen sind die fünf zeitlichen Abschnitte, in die AHO Heft 9 ein Bauprojekt für die Projektsteuerung gliedert: Projektvorbereitung, Planung, Ausführungsvorbereitung, Ausführung und Projektabschluss. Nach der Wägungstabelle des AHO Heft 9 verteilt sich das Honorar ungleich auf diese Stufen, mit den größten Anteilen in Ausführungsvorbereitung (22 %) und Ausführung (30 %). Die Projektstufen ordnen die fünf Handlungsbereiche diesem zeitlichen Verlauf zu und ergänzen so die inhaltliche Gliederung um eine zeitliche Dimension.
Wann sollte Projektsteuerung in einem Bauprojekt beginnen?
Projektsteuerung sollte bereits in der Projektvorbereitung oder Planung beginnen, sobald Angaben zu Leistungsumfang, Kosten und Terminen ausreichen, um Basispläne festzulegen. Diese Basispläne geben späteren Messungen einen Bezugspunkt. Beginnt die Projektsteuerung erst während der Bauausführung, lässt sich der früheste Projektverlauf nur schwer zuverlässig bewerten.
Gilt Projektsteuerung auch für kleinere Bauprojekte?
Projektsteuerung gilt auch für kleinere Bauprojekte, allerdings in reduziertem Umfang. Eine einzelne Person kann den Terminplan pflegen, Kosteninformationen prüfen und Aktualisierungen koordinieren, ohne dass dafür eine eigene Projektsteuerungsfunktion erforderlich ist. Die Grundprinzipien bleiben gleich: ein kontrollierter Basisplan, ein konsistenter Aktualisierungsturnus und klare Zuständigkeiten beim Umgang mit Abweichungen.
Gehört Risikomanagement zur Projektsteuerung?
Risikomanagement ist im aktuellen AHO-Leistungsbild der Projektsteuerung (Heft 9, 6. Auflage) kein eigener, gesondert benannter Handlungsbereich, sondern Teil der Grundleistungen, die sich auf die fünf Bereiche Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge verteilen. Erweiterte Risikomanagement-Leistungen sind als besondere Leistungen separat in AHO Heft 19 erfasst.








